Die Geschichte von Kutná Hora
[Rubrika: Rùzné èlánky]
Die Geschichte Kuttenbergs ist untrennbar mit dem Silberbergbau verbunden. Das hiesige äußerst ergiebige Revier wurde mit der Zeit zu einer der größten Silberfundstellen des mittelalterlichen Europas. Bereits im ausgehenden 13. Jh. bestritt Kuttenberg ungefähr ein Drittel der europäischen Gesamtproduktion dieses Edelmetalls. Hier entstand auch das Zentrum, wo der sogenannte Prager Groschen geprägt wurde, der damals zu einer der stärksten europäischen Währungen gehörte.
Dank seines Reichtums wurde Kuttenberg zur zweitwichtigsten Stadt des Königreichs Böhmen. Die Stadt maß sich mit Prag, nicht nur in Wirtschaft und Politik, sondern auch was Kultur anbetraf. Die uns bekannten Anfänge des hiesigen Bergbaues fallen in die zweite Hälfte des 13. Jh. Aber bereits im 10. Jh. wurden im unweiten Malín, auf einer Feste der Adelsfamilie der Slavnikiden, deren Stammsitz sich dort befand, Silbermünzen geprägt, die als Denare bezeichnet wurden. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß die Rohstoffquelle für diese Münzen Silbererzlager an der Oberfläche waren, die sich unweit der Feste befanden.
Im Jahr 1142 wurde im unweiten Sedlec ein Zisterzienserkloster gegründet, das erste dieses Ordens in Böhmen. Gründer war Miroslav z Cimburka, ein Adliger aus der nächsten Umgebung Fürst Wladislaws II. Die Ordensbrüder, die sich hier ansiedelten, kamen aus der Abtei Waldsassen in der Oberpfalz und es ist nicht auszuschließen, daß sie schon damals Kenntnis vom hiesigen Silbervorkommen besaßen. Davon zeugt nicht nur die Tatsache, daß das Kloster von den sogenannten Morimonen gegründet wurde, einem Zweig der Zisterzienser, der sich mit Bergbau befaßte, sondern auch, daß ein Orden, der für seine kolonisatorischen Bemühungen bekannt war, sein Kloster auf bereits kultiviertem Gebiet errichtete. Ungefähr um 1260 wurden wirklich auf dem Gebiet des Klosters Silbererzadern entdeckt. Zu jener Zeit wurde übrigens in Jihlava (Iglau) bereits Silbererz geschürft (seit 1230).
An die Entdeckung von Silber in Kuttenberg knüpft sich die Legende vom Mönch Anton, der am Weinberg des Klosters arbeitete. Als er nach schwerer Arbeit ein Schläfchen hielt, wuchsen neben seinem Kopf drei silberne Gerten aus dem Boden. Der Mönch legte seine Kutte an der Stelle nieder, um sie zu bezeichnen und meldete seinen Fund im Kloster. Gegen Ende der Regierung Pøemysl Otokars II. (1250 - 1278) bekommt die Ansiedlung einen Namen, Cuthna antiqua - Stará Kutna.
Um das Jahr 1290 kam es zum legendären 'Menschenauflauf von Kutna'. Es brach, wie schon so oft in der Geschichte der Menschheit - ein Goldrausch, besser gesagt ein 'Sílberrausch' aus, verbunden mit allen seinen Lastern. Der Aufbau der Bergmannsiedlung erfolgte ganz chaotisch. Unter wahllos zusammengewürfelten Holzhäusern befanden sich Kneipen, Badehäuser, Bäcker- und Fleischerläden, dazwischen qualmten Schmelzhütten und öffneten sich Eingänge in die Gruben. Es dauerte nicht lange und die Ansiedlung der Bergleute wurde zu einer königlichen Stadt, mit zahlreichen Privilegien. Um 1300 erließ König Wenzel II. das königliche Bergrecht, ein für die damalige Zeit sehr modernes Gesetzbuch, das eine Grundlage für alle mit dem Bergbau zusammenhängenden Aktivitäten bildete. Entsprechend dieser Gesetzsammlung hatte der König das freie Verfügungsrecht über Mineralvorkommen auf jedwedem Grundstück, bewilligte den Grubenbau durch entsprechende Bergbehörden, ließ den Abbau durch seine Beamten überwachen und sicherte sich so seinen Anteil am sogenannten Urbur, d. h. an den Erträgen des Bergbaues. Zusammen mit dem königlichen Bergrecht wurde auch eine Münzreform eingeführt. König Wenzel 1I. entschied sich für eine einheitliche Münze im Königreich, um so die Unterschiede zwischen dem im Umlauf befindlichen Geld abzuschaffen. Aus diesem Grund wurden alle städtischen Münzstätten, zu einer zentralen Münze vereint, die ihren Sitz im sogenannten Welschen Hof (Vla¹ský dvùr) hatte. Kuttenberg wurde so zum Kernpunkt der wirtschaftlichen Macht böhmischer Herrscher und nach Prag die größte und bedeutendste Stadt des Königreichs. Die Verwandlung der Bergmannssiedlung in eine Stadt wurde durch die Errichtung von anfangs nur provisorischen Stadtmauern beschleunigt. Die Mauern dienten vor allem zum Schutz der Gruben, als der römische König Albrecht II. in Böhmen einfiel und sich im Laufe zweier Feldzüge (1304 und 1307) mit Gewalt der Gruben bemächtigen wollte. Der steile Aufstieg der städtischen Macht wurde vom Bau prächtiger Kirchen und Wohnhäusern des vorwiegend deutschen Patriziates begleitet, in dessen Hände die königlichen Rechte allmählich übergingen. Die Grubenunternehmer brachten es in kurzer Zeit zu großem Reichtum und ihr Vermögen konnte sich mit dem des Landesherren messen.
Zu Beginn des 15. Jh. sanken zwar die Erträge der Silbergruben bedeutend, aber die Stadt verlor deshalb nichts an ihrer wirtschaftlichen und politischen Bedeutung. Der Welsche Hof wurde zum häufigen Aufenthaltsort des Böhmenkönigs Wenzel IV., der seinen zweiten Wohnsitz im neuerbauten Palast hatte und der so zum Schauplatz wichtiger politischer Ereignisse wurde. So wurde hier beispielsweise das Kuttenberger Dekret erlassen, das die Vertretung der einzelnen Nationen an der Prager Universität regelte und zwar zum Vorteil der Tschechen. Hier forderte der König seine Untertanen, zur Zeit des Schismas, durch einen in Kuttenberg verfaßten Erlaß auf, Papst Gregor XII. den Gehorsam zu verweigern. In den bewegten Zeiten unter der Regierung Wenzels IV gelang es dessen Bruder Sigismund, dem König von Ungarn, die Stadt zu belagern, ein enormes Lösegeld einzuheimsen und so Wenzels Kasse auszurauben.
Zu Beginn des 15. Jh. wurde Kuttenberg mehr und mehr in die Kriegswirren des hussitischen Aufstands verwickelt. Die deutschen, durchwegs katholischen Patrizier und die Hussiten lieferten sich grausame, von mitleidlosem Morden begleitete Kämpfe. An die 2 000 Anhänger der Hussiten wurden in die Schächte geworfen, zweimal wurde die Stadt in Brand gesteckt, im Jahr 1422 auf Befehl König Sigismunds, währen seines Rückzuges, um die Hussiten daran zu hindern den Bodenreichtum zu nutzen und zwei Jahre danach, von der hussitischen Soldateska Jan ®i¾kas. Die Arbeit in der Münze wurde eingestellt, zahlreiche Gruben füllten sich mit Wasser oder stürzten ein, der Bergbau lag darnieder, nicht nur weil die Schächte zerstört waren, sondern weil die reiche deutsche Bevölkerung die Flucht ergriffen hatte und von tschechischen Neuankömmlingen ersetzt werden mußte.
Die Erneuerung des Bergbaues war mit unermeßlichen Schwierigkeiten verbunden. Neue Gruben wurden angelegt, diesmal nicht mitten in der Stadt, sondern an neuen Fundstellen. Kuttenberg wurde wiederum zum Schauplatz politischer Ereignisse ganzstaatlicher Bedeutung und zur wirtschaftlichen Stütze des Königreichs Böhmen.
Im Jahr 1448 wurde auf einer Versammlung im Welschen Hof der spätere Utraquistenkönig Georg von Podiebrad zum Landesverweser ernannt und im Jahr 1471 fand hier sogar eine Wahl des böhmischen Königs statt. Es handelte sich dabei um den ältesten Sohn des polnischen Königs Kasimir, den Jagellonen Wladislaw. Unter der Regierung der Jagellonen (1471-1526) befreite sich die böhmische Kultur aus ihrer Isolation, in die sie während der hussitischen Wirren geraten war. In der Stadt wurden prächtige spätgotische Bauten errichtet und nach einer langen durch die Hussitenkriege verursachten Unterbrechung wurde wieder am Bau der St. Barbarakirche weitergearbeitet. Bis zum heutigen Tag blieb ein Patrizierwohnhans - 'das Steinerne Haus' erhalten und auch der kostbare polygonale Brunnen. Langsam gewann der Renaissancestil an Einfluß, was unmittelbar mit den Erträgen des Bergbaus zusammenhing.
Die Erzadern reichten aber in immer beträchtlichere Tiefen und der Stand der damaligen Technik erlaubte es nicht, ihnen zu folgen. In der Mitte des 16. Jh. ereilte das Kuttenberger Revier der Ruin. Auch in der Grube in Osel, der damals tiefsten Grube überhaupt (600 m) mußte der Abbau eingestellt werden. Einen weiteren Schlag versetzte zwischen dem 16. und dem 17. Jh. dem Kuttenberger Silberbergbau die erhöhte Silberproduktion Deutschlands und der enorme Zufluß amerikanischen Silbers. Die Krise wurde durch den Dreißigjährigen Krieg dermaßen verschärft, daß die Stadt nach dem Krieg den Charakter einer Bergstadt gänzlich verlor. Noch während des Krieges kamen Jesuiten in die Stadt und während es sich die Jesuiten angelegen sein ließen die, Bevölkerung zu rekatholisieren, entstanden unter der Leitung hervorragender Architekten imposante Barockbauten. Trotzdem verwandelte sich Kuttenberg unaufhaltsam in ein provinzielles Städtchen. Versuche einen intensiven Bergbau zu erneuern, wurden auch in späterer Zeit unternommen, allerdings ohne Erfolg. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges begann die deutsche Besatzungsmacht Blei-und Zinkerze abzubauen. Dieser Abbau dauerte bis 1991, dann wurde die letzte Grube geschlossen.
Der mit dem Silberbergbau eng verbundene Ruhm Kuttenbergs ist längst verblaßt. Was jedoch verblieb, sind mittelalterliche Gäßchen, malerische Winkel und eine ganze Reihe bedeutender Bau-und Kunstdenkmäler. Alles zeugt von einer reichen geschichtlichen Vergangenheit und verleiht der Stadt ein unverwechselbares Kolorit, das sie bis zum heutigen Tag zum Reiseziel in-und ausländischer Gäste macht.
|